Die Variable Zukunft

Bruno T. Schelig
2 min readSep 23, 2023

Die Gegenwart ist nichts als die Zukunft, die auf ihren Anfang wartet. So erleben und erfühlen wir sie, aber festhalten können wir sie nicht. Mit jeder Sekunde, die beginnt, entgleitet sie uns. Und mit jeder Erfahrung verändert sich die noch nicht angebrochene Zukunft. Deswegen können wir in der Gegenwart auf eine Zukunft hoffen, aber wir können uns niemals gänzlich wirklich vorstellen, wie sie dann auch in der Realität sich formt. Deswegen ist die Zukunft die Erfahrung, die uns am Meisten lehrt. Nicht in dem Zustand in dem sie irgendwann ist, sondern in dem Verfahren einer Gegenwart und seiner Entwicklung, die uns erst geformt und ausgebildet hat für eben diese Zukunft, die uns dann auch erwartet.

Wir können hoffen, wir können uns sehnen und wir können uns wünschen. Aber jede Erfahrung in der Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es niemals so ausfällt, wie wir es wollten. Deswegen alleine kümmern wir uns nur noch rein um die Gegenwart. Denn da können wir schaffen und erschaffen, uns selber bilden und vorbereiten auf eine Zukunft, für die wir jetzt selber Wegbereiter sind.

Und auch wenn uns die Gegenwart in jeder weiteren Sekunde entschwindet, so ist die Kunst nicht, sie festzuhalten oder in ihr zu verweilen, sondern sie gänzlich zu erleben, wie es uns auch nur möglich ist. Die Sinne aufzusperren, die Empathie gänzlich zu entfalten und dann nur aufzugehen in jedem Moment, der von nun an unsere Vergangenheit abbildet, aber auch der erste Schritt in eine Zukunft ist.

Wir wandern von den Zeitzuständen hin und her. Wohlgemerkt nur in eine Richtung. Es gibt keine Zeit, in der wir verweilen können. Wie die Lawine spült uns die Zeit einfach fort. Von Begebenheit zu Begebenheit. Von Mensch zu Mensch. Und wir alleine passen uns an, formen unser Selbst um die Umstände und mit den Umständen. Denn das Selbst ist extrem anpassbar. Das durften wir dankbar erkennen.

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